Chronik

1812: Im Jahre 1812 wird die Musikkapelleerstmals urkundlich als bestehend erwähnt und somit ihr offizielles Gründungsdatum bekundet.

1815: Pfarrer Althuber wurde als Dekan nach Lienz berufen und übergab Pfarre und auch die Musikkapelle an Pfarrer Drescher aus Nussdorf, der sogar selbst in der Kapelle mitspielte. Unter ihm erlebte die Musikkapelle einen für die damalige Zeit sehr beachtlichen Aufschwung und spielte, so wird um 1820 berichtet, an hohen Festtagen auf dem Kirchenchor, da zu dieser Zeit noch keine Orgel vorhanden war.

Aus weiteren Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass die Musikkapelle später von Oswald Kröll, Jakob Mitterhofer und von Josef Oberrader aus Amlach weitergeführt wurde.

1819: Einen äußerst bedeutenden Ruf und glanzvollen Höhepunkt erlebte die Musikkapelle unter dem Kapellmeister Lorenz Oberhuber. Aufgrund ihrer großartigen Leistungen talbodenbekannt und geschätzt wurde sie immer wieder auch über die Gemeindegrenzen hinaus zur musikalischen Gestaltung von Feierlichkeiten eingeladen. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass die Musikkapelle Tristach bereits 1868 die Einweihung des Schießstandes am Schlossberg in Lienz mit ihren Klängen verschönerte.

Zum Gedenken des 30-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef wurde von der Musikkapelle im Jahr 1978 am Dorfplatz ein Lindenbaum gesetzt.

Ebenfalls im Jahr 1878, so steht es in der Chronik, „verschönerten sie die Einweihung der Linderhütte auf dem Spitzkofelgrat und schmetterten ihre Klänge dort oben hinaus in die freie Gottesluft was das Zeug hergab“.

Als 1885 der Kaiser durch Lienz nach Innsbruck reiste, musste die Musikkalle Tristach dem Monarchen durch ihre Anwesenheit ihre Liebe und Treue kundtun.

Zum allgemeinen Bedauern verließ dieser legendäre und bedeutende Kapellmeiste im Jahre 1894 seine Heimat und übersiedelte nach Gastein, um sich dort eine bessere Existenz schaffen zu können.

1894 übernahm nun Thomas Grissmann die Kapelle und leitete diese bis zu seinem Tod im Jahr 1900.

1900 -1911: Vom Jahre 1900 bis zum Herbst 1911 führte Josef Oberhuber, „Veidler Seppele“ genannt, die Kapelle mit viel Talent und Fleiß. Die Beliebtheit und Bekanntheit der Kapelle schon zur damaligen Zeit lässt sich erkennen, dass sie in ganz Osttirol zu Feierlichkeiten geladen wurden, wie z.B. im Jahre 1900 zur Fahnenweihe in Sillian, was damals keine alltägliche Reise bedeutete.

Josef’s Bruder, Lehrer Johann Oberhuber übernahm im Jubeljahr 1912 die Musikkapelle und leitete diese als Kapellmeister über 20 Jahre hindurch bis 1932. In seiner Amtsperiode hatte auch er mit den Schwierigkeiten der Kriegsjahre zu kämpfen und verlor 8 Musikanten im Ersten Weltkrieg.

Teilnehmende Kapellen zur Fahnenweihe in Sillian 1900.

1912: Im Jahre 1912 feierte die Musikkapelle Tristach ihr 100-jähriges Bestandsjubiläum.

Die Gastkapelle aus Abfaltersbach (ca. 25 km entfernt!) soll damals zu Fuß anmarschiert sein.

Die Kapelle zu ihrem 100-jährigen Bestandsjubliäum 1912
Auzug aus der Chronik.

Absage eines Konzertes in Jungbrunn aufgrund eines plötzlichen Lippenleidens eines Bläsers (Euphonisten) und offizielle Entschuldiung für diese Absage in der Zeitung.

Auzug aus der Chronik

1925: In der Schaffensperiode von Kapellmeister Oberhuber erhielt die Musikkapelle im Jahr 1925 eine neue Tracht und präsentierte diese voll Stolz erstmals am 28. Juni 1925 beim 100-jährigen Jubiläumsfest in Abfaltersbach. Zudem erreichte dort die Kapelle beim Wertungsspiel den 2. Preis und stellte somit erneut ihr Können unter Beweiß.

Die Musikkapelle in ihrer neuen Tracht

1932: 1932 übergab Kapellmeister Johann Oberhuber den Dirigentenstab seinem Nachfolger, Marcell Lukasser, der die Musikkapelle mit viel Idealismus und Fleiß bis zum Jahre 1938 leitete.

Marcell Lukasser

Schon in dieser Zeit erwies sich die Musikkapelle vermehr als Veranstalter von Bällen, Abendkonzerten und Tanzunter-haltungen. Die Konzerte am Tristacher See, in Bad Jungbrunn sowie der Musikerball im Gasthof „Dolomitenheim“ (heute: „Der Dolomitenhof“) wurden zu Klassikern im Jahresprogramm und erfreuten sich größter Beliebtheit bei der heimischen Bevölkerung.

Johann Bachmann stand in den schwierigen Jahren von 1938 bis 1947 als Kapellmeister an der Spitze der Musikkapelle. In der Chronik wird ihm besondere Anerkennung geschenkt, da er sein Amt in der schweren Kriegszeit und trotz des Mangels an Musikanten (13 gefallene Musikanten) vorbildlich meisterte.

Zudem legte er besonderes Augenmerk auf die Ausbildung von neuen Musikanten, von welchen er viele selbst unterrichtete. Seinem Ehrgeiz und Idealismus ist es zu verdanken, dass die Musikkapelle Tristach trotz dieser Schwierigkeiten des Kriegsjahre als eine von wenigen Osttiroler Musikkapellen während der gesamten Kriegszeit hindurch bestand und spielfähig blieb.

Johann Bachmann

Neben dem Mangel an Musikanten hatte der Kapellmeister auch mit einer großen bürokratischen Hürde zu kämpfen. Aus einem Schriftverkehr von 1940 geht hervor, dass die Musikkapelle entgegen den Bestimmungen der NSDAP nicht dem zuständigen Stillhaltekommissär gemeldet wurde. Nach dringlicher Aufforderung durch die Behörde musste Josef Bachmann zum Erhalt der Musikkapelle Tristach die Meldepflicht wahrnehmen und die vorgeschriebene „Pflichtsatzung für Volksmusikkapellen“ im März 1940 anerkennen und unterschreiben. Diese Pfichtsatzung verlangte das Spielen von deutschen Liedern, doch voll Stolz spielten die Tristacher entgegen den Vorschriften weiterhin ihre traditionellen Tiroler Märsche.

Marcell Lukasser und auch Johann Bachmann erhielten neben anderen bedeutenden Mitgliedern und Wegbegleitern der Musikkapelle aufgrund ihrer besonderen Leistungen im Jahr 1952 bzw. 1953 die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Alois Linder

1947: Im Jahre 1947 übernahm Alois Linder die Musikkapelle und brachte sie in den kommenden Jahren dank seiner ausgeprägten musikalischen Kenntnisse und seines Fleißes auf ein beachtliches Niveau. Mit ihm begann eine sehr bewegte Zeit, in der nicht nur die Mitgliederzahl, die Anzahl von Proben und Ausrücken zu kirchlichen sowie weltlichen Anlässen stark zunahm, sondern die Musikkapelle auch vermehrt begann, über die Grenzen Osttirols hinauszublicken und auch dort ihr Können unter Beweis stellte. Erwähnt seien hier die Teilnahme am Musikfest in Schwaz/Tirol 1948, die Teilnahme am Bauernbundjubiläum in Innsbruck im Jahre 1954 sowie der Aufmarsch zur Feier des 150-jährigen Gedenkens an Andreas Hofer in Innsbruck 1969.

Teilnahme an der Andreas-Hofer-Feier in Innsbruck 1959

1953: In beeindruckender Manier veranstaltete die ca. 40 Mann starke Kapelle am 9. August 1953 ein Jubiläumsfest anlässlich ihres 140-jährigen Bestehens im „Kahler Anger“, welches von Bergfeuern über der Seewand, Leuchtraketen, Böllerschüssen um 5 Uhr morgens, einer Feldmesse sowie dem Aufmarsch von 15 Musikkapellen aus verschiedenen Tälern Osttirols, der Musikkapelle Steinfeld aus Kärnten und zahlreichen prominenten Ehrengästen wie dem legendären Nationalrat Franz Kranebitter begleitet war.

Jahr Jahre 1953 konnte auch das erste Probelokal im Gemeindehaus bezogen werden. Bis zu dem Zeitpunkt wurden die Proben in der Veidler-Stube abgehalten. Die Stube platzte dabei, wie man sich bei einer 40 Mann starken Kapelle vorstellen kann, aus allen Nähten – die Musikanten waren wie Sardinen auf den Bänken, Stühlen und auf der Ofenbank, zusammengepfercht, die Stubentür stand offen und am Gang war das Schlagzeug zu finden – bei einem „forte“ war das große Bauernhaus bis unters Dach mit Musik gefüllt!

1955: Ein besonders und nicht alltägliches Erlebnis für die Musikanten war 1955 ein Ausflug über die Großglockner Hochalpenstraße zum Oktoberfest nach München, was für den selbstlosen Einsatz während des Jahres entschädigte.

Musikausflug 1955, Oktoberfest München

1959: Unter der Führung von Alois Linder und Franz Klocker erhielt die Musikkapelle im Jahre 1959 neue Instrumente mit Normalstimmung (B- statt C-Stimmung). Aus Kostengründen wurden die Bässe umgebaut, alle übrigen Instrumente mussten jedoch neu angeschafft werden. Dieser finanzielle Aufwand konnte durch Spenden der Gemeinden Tristach, Amlach, Lavant sowie Spenden der gesamten Bevölkerung größtenteils gedeckt werden.

1961: Eine zufällige Begegnung von Obmann Franz Klocker (vlg. Schuster) bei einem Aufenthalt in Gmunden mit der Elin Werkskapelle aus Weiz und dem damaligen Kapellmeister Kollmann bildete den Grundstein einer, bis zum heutigen Tag andauernden und innigen Freundschaft dieser beiden Musikkapellen.

Elin Werkskapelle aus Weiz

Offiziell begann diese Partnerschaft mit dem Besuch der Elin Werkskapelle aus Weiz anlässlich des 150-jährigen Bestandjubiläums der Musik-kapelle Tristach am 12. August 1962.

Musikkapelle Tristach 1962 – 150-jähriges Bestandsjubiläum

1965: Nach 18 Jahren an der Spitze der Musikkapelle übergibt 1965 Alois Linder das Amt des Kapell-meisters an seinen Nachfolger Alois Wendlinger, der sich noch im selben Jahr über die Anschaffung von neuen Bässen anstelle der bisherigen Helikone und im dauffolgenden Jahr über eine neue Tracht freuen konnte. Bis heute blieb diese Tracht in der damals festgelegten Form als Vereinstracht für Sommer wie für Winter erhalten.

Prozession in Tristch 1965

Inzwischen hat sich die Musikkapelle Tristach als Kapelle der Schattseite herauskristallisiert, die nicht nur ihre Heimatgemeinde, sondern auch ihre Nachbargemeinden Amlach und Lavant durchs ganze Jahr hindurch musikalisch mitbereut und so in diesen Jahren bereits auf jährlich über 100 Zusammenkünfte verweisen konnte.

Herausragend und unvergesslich für die damals aktiven Musikanten ist wohl die 10-tägige Konzertreise nach Norddeutschland im Oktober 1970, die von einem begeisterten Sommergast organisiert, jedoch beinahe in einem Desaster endete. Die Schützengilde Breloh erwies sich damals als äußerst hilfsbereiter und gastfreundlicher Verein und so entstand eine Freundschaft, die immer viele schöne und gesellige Stunden bei Besuchen und Gegenbesuchen mit sich brachte.

1972 war wiederum ein Jubeljahr – 160 Jahre Musikkapelle Tristach.
Wie bereits gewohnt wurde auch dieses Jubiläumsfest im großen Rahmen gebührend gefeiert und erstmals in Tristach mit dem Bezirksblasmusikfest verbunden.

Musikkapelle Tristach im Jubeljahr 1972

1976: Die Neuwahlen im Jahr 1976 brachten den neuen Obmann Franz Unterluggauer hervor, der aufgrund seines organisatorischen Talentes, seines hohen Bekanntheitsgrades und nicht zuletzt wegen seiner großen Liebe zur Musik und seines unermüdlichen Einsatzes die Kapelle prägte und selbst zu einem Idol und einer herausragenden Persönlichkeit für unsere MusikantenInnen wurde.

1980: Die Freundschaft des Obmannes zu Mitgliedern der Alpenraute brachte es mit sich, dass die Musikkapelle Tristach im Mai 1980 am Flughafen München die österreich-deutsche Fang-Expedition musikalisch empfing und daraus eine ganz besondere Freund-schaft mit Aribert Schübel aus Wiesbaden entstand, die bis heute in zutiefst herzlicher und ehrlicher Form gepflegt wird.

Musikalischer Empfang der österreich-deutschen Fang-Expedition am Flughafen München 1980

1982: 170 Jahre Musikkapelle Tristach. Im Rahmen dieses Jubiläumsfestes wurde zum zweiten Mal das Bezirksmusikfest des Lienzer Talbodens in Tristach abgehalten und das ganze Dorf in eine Klangwolke gehüllt. Als Zeichen der engen freundschaftlichen Verbundenheit mit der Schützengilde Breloh (Norddeutsch-land) wurde im Juni 1982 in Tristach die „Brelohstraße“ aus der Taufe gehoben.

Musikkapelle Tristach 1982

1987: Am Beginn des Jahres 1987 fand die bisher letzte Übergabe des Taktstockes vom mehr als 20 Jahre wirkenden Kapellmeisters Alois Wendlinger, an seinen Nachfolger Johann Klocker statt. Johann Klocker leitet bis zum heutigen Tag die Musikkapelle Tristach mit größtem Einsatz und Ehrgeiz, aber auch mit viel Diplomatie und Feingefühl für Musik und Mensch in vorbildlicher Weise und findet gerade deswegen viel Anerkennung und Wertschätzung.

Reich geschmückter Festwagen 1987

1994: Im Juni 1994 wurde der ehemalige langjährige Obmann Franz Unterluggauer an seinem 70. Geburtstag geehrt und zum ehrenobmann ernannt. Er war wie ein „guter Hirte“ unserer Kapelle und verdient wie kein Zweiter für seine umsichtige und überaus wertvolle 17-jährige Tätigkeit als Obmann unserer Musikkapelle diese hohe Auszeichnung.

Franz Unterluggauer

1995: Während der Obmannschaft von Franz Brunner erfolgte auch der Neubau des Gemeindezentrums, wodurch die Musikkapelle im Jahre 1995 ein neues Probelokal erhielt und 1997 in diesem Zentrum ein Musikkpavillon errichten konnte, das sie ihrem Freund Ari Schübel widmete.

1997: Neujahr 1997 – Unvergesslich für alle mitgeflogenen MusikantenInnen! Ein Erlebnis der besonderen Art war die Teilnahme der Musikkapelle als Vertreter Österreichs an der Neujahrsparade in London am 1. Jänner 1997. London erlebte an diesem Tag den kältesten Neujahrstag seit 20 Jahren, wodurch auch die sonst so abgehärtete Schattseitner Musikkapelle mit der Kälte und einfrierenden Ventilen bei den Instrumenten während des Spielens zu kämpfen hatte.


1999 übergab Franz Brunner das Amt des Obmannes an seinen Nachfolger, den heutigen Obmann Stefan Klocker.

2001: Am 26. Mai 2001 fuhr die Musikkapelle Tristach zum 130-Jahr-Jubliäumsfest der Elin Stadtkapelle nach Weiz. Ende Juni 2001 konnte die Musikkapelle Tristach auf eine Einladung hin nach Treviso reisen und dort 2 fröhliche und unbeschwerte Tage verbringen. Neben dem Abendkonzert am Hauptplatz in Trevisio war vor allem der Besuch der größten Disco Oberitaliens (ca. 5000 Besucher!) ein Höhepunkt dieses Ausfluges.

2002: 190-jähriges Bestandsjubiläum. 3-tägiges Jubiläumsfest anlässlich des 190-järigigen Bestehens der Musikkapelle und großer Festumzug durch die Gemeinde. Mitwirkende waren unter anderem: Gloria, Elin Stadtkapelle Weiz, Schützengilde Breloh, Stadtkapelle Offenburg, …

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